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Arzneimittel in der Umwelt: Hrsg.: Matthias Dürr und Henner Hollert



Medikamentenentsorgung in privaten Haushalten: Ein Faktor bei der Gewaesserbelastung mit Arzneimittelwirkstoffen? (9 S.)
Konrad Götz; Florian Keil
Corresponding author:: Florian Keil

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Background, Aim and Scope:
Rückstände von Humanpharmaka werden mittlerweile verbreitet in der aquatischen Umwelt nachgewiesen. Der Haupteintag erfolgt dabei über die kommunalen Kläranlagen: Nach der Einnahme werden die Wirkstoffe oder ihre Metabolite vorwiegend über den Urin ausgeschieden und gelangen so in die Abwässer. Weitgehend ungeklärt ist jedoch bislang, inwiefern auch die unsachgemäße Entsorgung von Altarzneimitteln über die häuslichen Sanitäreinrichtungen (Toilette oder Ausguss) zu den gemessenen Umweltkonzentrationen beiträgt.

Main Features:
Ziel dieser Untersuchung war es zu klären, ob Verbraucherinnen und Verbraucher Medikamentenreste in Deutschland auch direkt über die häuslichen Abwässer entsorgen. Dazu wurde im Juli und August 2006 eine bevölkerungsrepräsentative Befragung von 2.000 Personen durchgeführt.

Results:
Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Entsorgung von Altarzneimitteln über die häuslichen Abwässer in relevantem Umfang stattfindet: ca. 16% der Bevölkerung entsorgt zumindest gelegentlich übrig gebliebene Tabletten in der Toilette während dieser Wert bei flüssigen Medikamenten sogar bei rund 43% liegt (Toilette oder Ausguss).

Discussion:
Ein möglicher Grund für dieses Entsorgungsverhalten ist die weithin uneinheitliche Abfallkommunikation im Hinblick auf Medikamentenabfälle in Kommunen und Ländern. Die dadurch verursachte Unsicherheit über die richtige Art der Entsorgung von Altarzneimitteln gewinnt im Kontext der hohen Recyclingbereitschaft der (deutschen) Bevölkerung an Bedeutung: Für die im Zuge der Abfalltrennung entstehenden Reststoffe (Tabletten oder Flüssigkeiten) werden oft keine adäquaten Entsorgungsmöglichkeiten gesehen.

Conclusions:
Quantitative Abschätzungen auf Basis der erhobenen Daten zeigen, dass die ermittelte Häufigkeit einer Entsorgung von Altarzneimitteln über die häuslichen Abwässer einen zum Teil deutlichen Beitrag zur Gewässerbelastung mit Arzneimittelwirkstoffen leisten kann. Entscheidende Parameter bei dieser Betrachtung sind die Ausscheidungsrate eines Wirkstoffs und die tatsächlich anfallenden Restmengen.

Perspectives:
Vor dem Hintergrund der Untersuchungsergebnisse sind Maßnahmen geboten, die insgesamt zu einem sachgerechteren Umgang mit Medikamentenabfällen beitragen. Es wird die Schaffung eines einheitlichen und verbindlichen Entsorgungsstandards für Altarzneimittel ausschließlich über die Rückgabe in Apotheken empfohlen. Diese Maßnahme muss mit einer Vereinfachung des für die Apotheken zum Teil aufwändigen Rücknahmesystems einhergehen.

19 UWSF (3) 180-188 (2007)

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