ScientificJournals.com  

UWSF

Terrestrische Ökosysteme



Zur Humusausstattung ostbayerischer Mittelgebirgsböden (Originalarbeit)
Helmwart Förster; Frank Ullrich
Corresponding author:: Helmwart Förster

Abstract Request for single articles KB  Full paper
9 downloads since August 2007


Background, Aim and Scope:
Wichtige Eigenschaften und Prozesse des Bodens werden durch dessen Humusausstattung beeinflusst. Kenntnisse über den Humusstatus eines Bodens sind daher eine wichtige Voraussetzung, um z.B. Stoffdynamik und Gefährdungspotentiale fundiert einschätzen zu können.


Materials and Methods:
Ziel. Basierend auf dem umfangreichen Datenbestand des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, werden die typischen Humusgehalte und Humusvorräte für Böden des Oberpfälzer und Bayerischen Waldes zusammengestellt. Ihre Bedeutung für bodenkundliche und umweltrelevante Fragestellungen wird aufgezeigt.

Results:
Wie die Auswertung zeigt, geht mit dem zunehmend kühlfeuchten Klima der Mittelgebirgslagen ein deutlicher Anstieg der bodenbürtigen Humusgehalte bzw. Humusvorräte einher. Dies trifft insbesondere für den Mineralboden zu, wo oberhalb 600 m NN mehr abgestorbene organische Substanz gespeichert wird als in der Humusauflage. Die Gesamthumusvorräte variieren in Abhängigkeit von der Höhenlage zwischen ca. 12 und 40 kg*m–2, und sind damit als mittel bis sehr hoch einzustufen. Die höchsten Humusmengen entfallen auf die Höhenstufe zwischen 900 und 1200 m NN, wo relativ gründige, intensiv durchwurzelte Lockerbraunerden dominieren. Die etwas niedrigeren Gesamthumusvorräte der obersten Höhenstufe (>1200 m NN) werden durch einen oberflächennah einsetzenden, stark verfestigten C-Horizont erklärt, der die Durchwurzelung dieser Standorte auf die obersten 3–5 Dezimeter beschränkt. Die dennoch relativ hohen Humusvorräte dieses teilweise betonartig verfestigten Untergrunds (ca. 5 kg*m–2) beruhen wohl auf Einwaschungsprozessen. Die besonders mächtige Humusauflage oberhalb 1200 m NN ist wahrscheinlich nicht nur klimatisch bedingt, sondern auch durch die schwer zersetzbare Streu der dort dominierenden Fichtenwaldgesellschaft erklärbar.

Discussion:
Humusgehalte in wurzelfreien Zersatzhorizonten höherer Mittelgebirgslagen belegen, dass in diesen Böden neben einer Humusakkumulation auch eine gewisse Humusverlagerung bis in den stark saueren Untergrund ablaufen dürfte. Diskutiert wird ferner der besonders hohe Humusvorrat in den Lockerbraunerden der oberen Hanglagen. Ein für rohhumusartigen Moder bzw. Rohhumus relativ enger C/N-Wert in den Auflagehorizonten wird als Ergebnis erhöhter atmogener Stickstoffeinträge interpretiert.

Conclusions:
Die hohen Humusvorräte in den Waldböden der ostbayerischen Mittelgebirge lassen bei einer Klimaerwärmung die Freisetzung beträchtlicher Mengen an C in Form von CO2 erwarten. Gleichzeitig dürfte ein solcher Humusabbau insbesondere in den Gipfel- und Kammregionen zu einer deutlichen Verschlechterung der Nährstoff- und Wasserversorgung führen.

Recommendations and
Perspectives:
Der Prozess der Humusverlagerung in kühlfeuchten Mittelgebirgsregionen sollte künftig weiter untersucht werden. Bislang findet der Humusgehalt von C-Horizonten in der deutschen Bodenklassifikation keine Berücksichtigung. Es ist zu diskutieren, ob dieser Aspekt künftig in die Horizontbenennung einbezogen werden sollte.

19 UWSF (4) 234-239 (2007)

Development: Enterprise Technologies