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UWSF

Beitragsserien: Vom Labor ins Freiland

Vom Labor ins Freiland - Aspekte der Bewertung von Pflanzenschutzmitteln (PSM) in der Umwelt
Matthias Liess
Zusammenfassung Bestellung von Einzelbeiträgen

1 Die UWSF als Organ der deutschsprachigen SETAC-Sektion

Zur Intensivierung des interdisziplinären wissenschaftlichen Austausches zwischen Forschern aus Industrie und Hochschule, Genehmigungs- und Vollzugsbehörden sowie politischen Gremien wurde ein deutschsprachiger Zweig der Society for Environmental Toxicology and Chemistry (SETAC) ins Leben gerufen, genannt SETAC-Europe (German Langunge Branch). Diese Bezeichnung soll verdeutlichen, daß sich die neue SETAC-Sektion als Forum primär für die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz versteht.
Neben den allgemeinen, in der Konstitution von SETAC-Europe verankerten Zielen, ist es die Ansicht dieser Sektion, regionalspezifische Aktivitäten zu entwickeln sowie derartige Belange zu vertreten auch im Austausch mit der gesamten SETAC-Gruppe. Für den Austausch innerhalb des deutschsprachigen Bereiches plant die neue SETAC-Sektion, die Zeitschrift Umweltwissenschaften und Schadstoff-Forschung - Zeitschrift für Ökotoxikologie und Umweltchemie (UWSF) als Informations- und Kommunikationsforum zu wählen. Für den Austausch mit dem englischsprachigen Bereich stünde zur Verfügung die internationale "Schwesterzeitschrift" Environmental Science and Pollution Research - International (ESPR).

2 Vom Labor ins Freiland

Die erste Tagung der deutschsprachigen SETAC-Sektion fand im März 1996 an der Technischen Universität Braunschweig statt und wird in dieser und den folgenden Ausgaben der UWSF dokumentiert (s. Übersicht, S. 2). Das Thema der Tagung "Vom Labor ins Freiland - Möglichkeiten und Grenzen der Übertragbarkeit" beschäftigte sich mit einem der grundlegenden Anliegen der Ökotoxikologie, d.h. mit der Feststellung und Bewertung der Wirkung toxischer Stoffe in der Umwelt. Eine derartige Bewertung erfolgt häufig aufgrund von Laborbefunden, wobei die Notwendigkeit von Laboruntersuchungen unbestritten ist. Die Extrapolation vom Labor ins Freiland ist jedoch eines der schwierigsten und drängendsten Probleme sowohl für das aquatische als auch für das terrestrische Kompartiment. Schwerpunktmäßig ist diese Thematik in der auf S. 2 dargestellten Übersicht am Beispiel der Pflanzenschutzmittel behandelt worden.

3 Die Bewertung der ökologischen Wirkung von Pflanzenschutzmitteln in der Umwelt

Die Bewertung der ökologischen Wirkung von PSM in der Umwelt ist eine der entscheidenden Aufgaben der Ökotoxikologie. Der flächendeckende Einsatz und die hohe toxische Potenz dieser Chemikalien erfordern ein fundiertes Wissen über ihre Wirkung auf Ökosysteme. Für die Bewertung von PSM muß die Beschreibung ihres Verhaltens und ihrer Wirkung aus vielfältigen Blickwinkeln erfolgen. Diese Aufgabe ist nur durch den intensiven wissenschaftlichen Austausch verschiedener Fachgebiete zu erreichen. Weiterhin ist, wie oben beschrieben (Abschnitt 1), der Dialog zwischen Forschung, Behörden, Industrie und politischen Gremien essentiell, um die Anwendung von PSM unter multikriteriellen Gesichtspunkten zu optimieren. Hierzu zählen Ziele wie Artenvielfalt, Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft und die Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes. Die Darstellung der Problematik anhand ausgewählter Beiträge in dieser Zeitschrift kann infolge der Komplexität und des lückenhaften Wissensstandes lediglich die Vielfalt der Ansätze zeigen.

Das Kenntnisdefizit wird besonders deutlich, wenn die Wirkung von PSM nicht nur auf einzelne Individuen, sondern wenn die Wirkung im Ökosystem abgeschätzt werden soll. Unter diesem Gesichtspunkt wurde am Ende der Tagung der weitere Forschungsbedarf diskutiert.


4 Forschungsbedarf
Trotz vieler, für dieses Gebiet typischer Kontroversen wurden mit großer Übereinstimmung die im folgenden genannten Aussagen formuliert:

( 1 ) Die Grundlage für alle Bewertungen muß die Situation im Freiland sein.

(2) Die Ergebnisse ökotoxikologischer Forschung unterschiedlicher Freilandnähe - vom Labormaßstab bis zum Freiland - erlangen ihren vollen Wert erst in ihrer Zusammenschau und ihrer Verknüpfung miteinander vor dem Hintergrund der Zusammenhänge Im Ökosystem. Es sind weitere ökologische Grundlagenkenntnisse zu erarbeiten. Eine vermehrte Einbindung dieser Erkenntnisse muß in Zukunft erfolgen.

(3) Die Bioverfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln als entscheidender Faktor der Exposition muß weiter aufgeklärt werden. Über die Menge der aufgenommenen Schadstoffe kann die Messung der Gewebebelastung wertvolle Zusatzinformationen liefern; Metabolismus und Exkretion müssen jedoch bei der Interpretation berücksichtigt werden. Es besteht dringender Bedarf, den Zusammenhang zwischen Gewebebelastung und toxischer Wirkung zu erforschen.

(4) Untersuchungen in Mikro- und Mesokosmen sind notwendig. Sie eignen sich vor allem dazu, ökotoxikologische Wirkungen und freilandnahe Expositionen im Zusammenhang eines Ökosystems zu erfassen. Nach einer derartigen Analyse der Prozesse können dann in einfachen und preiswerten Systemen die entscheidenden Parameter in Reihenuntersuchungen bewertet werden. Dieses Vorgehen ermöglicht eine sinnvolle Reduktion im Aufwand der Testsysteme.



9 UWSF (1) 1-2 (1997)

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