ScientificJournals.com  

UWSF

Umweltchemie und Ökotoxikologie im Kontext



Blauzungenkrankheit in Deutschland 2006. Epizootiologischer Hintergrund, entomologische Analyse und notwendige Konsequenzen (Diskussionsbeitrag) (10 pp)
Helge Kampen; Ellen Kiel; Winfried Schroeder
Corresponding author:: Winfried Schroeder

Abstract Request for single articles KB  Full paper
16 downloads since February 2007


Background, Aim and Scope:
Hintergrund
Das erstmalige Auftreten der Blauzungenkrankheit, einer durch Gnitzen übertragenen Virusinfektion von Wiederkäuern, Mitte 2006 in Deutschland traf Viehzüchter, Veterinärämter und übergeordnete Behörden sowie Seuchen- und Schädlingsbekämpfer gänzlich unvorbereitet. Das Virus konnte sich während der Sommer- und Herbstmonate des letzten Jahres grenzüberschreitend in Holland, Belgien, Deutschland, Frankreich und Luxemburg großräumig ausbreiten und wurde schließlich in über 2000 Viehwirtschaftsbetrieben nachgewiesen, wo zahlreiche Rinder und Schafe erkrankten und verendeten.

Main Features:
Schwerpunkte

1 Anlass
2 Die Blauzungenkrankheit
3 Das Blauzungenvirus
4. Die Überträger
4.1 Grundlagen
4.2 Biologie
4.3 Ceratopogoniden als Krankheitsüberträger
4.3.1 Vektorkompetente Gnitzen in Europa
4.4 Identifizierung von Ceratopogoniden
4.5 Vorkommen und Verbreitung von Ceratopogoniden in Deutschland
5 Epidemiologische/epizootiologische Zusammenhänge
6 Vektorforschung in Deutschland
7 Agenda

Results:
Ergebnisse
Entsprechend des spärlichen epizootiologischen Wissensstandes zur Blauzungenkrankheit war das Krisenmanagement nur bedingt erfolgreich. Insbesondere was die Überträger der Blauzungenkrankheit angeht, sind so limitierte Kenntnisse vorhanden, dass eine gezielte Vektorbekämpfung derzeit nicht möglich ist. Es fehlen grundlegende Daten zu Verbreitung, ökologischen Ansprüchen und Verhaltensweisen der in Deutschland vorkommenden Gnitzenarten.

Discussion:
Diskussion
Gerade in Zeiten zunehmender Globalisierung und fundamentaler klimatischer und ökologischer Veränderungen, in denen mit der Einwanderung/Einschleppung und Etablierung von Vektoren sowie der von ihnen übertragenen Krankheitserreger gerechnet werden muss, ist es daher essenziell, Monitoringprogramme zu initiieren. Diese sollten unter Nutzung vorhandener Umweltbeobachtungen und flächenhafter Geodaten mit geografischen Informationssystemen (GIS) geplant und ausgewertet werden. Die Monitoring-Daten können dazu genutzt werden, mit GIS räumliche und zeitliche Vorhersagen zum Vorkommen der Ceratopogoniden zu machen und Risikoanalysen zum Ausbruch der Blauzungenkrankheit oder anderer durch Arthropoden übertragbarer Krankheiten zu erstellen.

Conclusions:
Schlussfolgerungen
Während Wissenschaftler anderer, außerhalb der klassischen BTD-Verbreitungsgrenzen gelegener Länder, wie z.B. Großbritannien, bereits vor Jahren entomologisch-faunistische Untersuchungen starteten, um das Einschleppungsrisiko für BTD und das Ausbreitungsrisiko für C. imicola vor dem Hintergrund einer möglichen Klimaerwärmung in Europa zu ermitteln, ist dies in Deutschland bisher offenbar nicht als notwendig erachtet worden.


Perspectives:
Ausblick
Besonders bedauerlich ist, dass im Bereich der wissenschaftlichen Forschungsförderung empirische Freilandarbeiten, die als Basis für die Erfassung des Vorkommens und der Verbreitung von Vektoren notwendig sind, sowie deren ökologische Analyse als nicht 'innovativ' und damit nicht förderungswürdig erachtet wird. Obwohl die Daten, die solche klassischen Studien produzieren würden, immens wichtig für die öffentliche Gesundheit und das Veterinärwesen wären, passen entsprechende Forschungsprojekte offenbar nicht in deutsche Förderprogramme.

19 UWSF (1) 37-46 (2007)

Development: Enterprise Technologies