Background, Aim and Scope:
Ziel und Hintergrund. Das Dilemma zwischen Nähr- und Schadwirkung der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung und die erhöhte Nachfrage nach Ersatzbrennstoffenfür fossile Energieträger führt in einigen Bundesländern zu der Forderung, alternative Entsorgungswege zu nutzen und mittelfristig aus der bodenbezogenen Verwertung auszusteigen. Ein Ausstieg bzw. Teilausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung, wäre mit vielschichtigen Auswirkungen verbunden. Im Rahmen eines Stoffstrommanagements wurden für das Land Schleswig-Holstein daher die ökonomischen und organisatorischen Auswirkungen auf Seiten der Akteure, wie der Behörden, Landwirte, Entsorgungsfirmen und Gebührenzahler, untersucht.
Main Features:
Methodik und Schwerpunkte. Die Arbeit basiert im Wesentlichen auf einer Akteursanalyse und der Kombination und Auswertung von Daten der Abwasser- und Agrarstatistik sowie Befragungen. Zunächst wird die Struktur der Klärschlammentsorgung analysiert. Anschließend werden Transaktionskosten untersucht, um den Aufwand unterschiedlicher Entsorgungsvarianten abzuschätzen. Die Düngequalität und damit der Nutzen des Klärschlamms werden maßgeblich von der Klärtechnik und Menge an eingesetzten Metallsalzen beeinflusst. Für die Beurteilung der Düngewirkung werden die Kläranlagen nach ihrer Produktionstechnik in vier Klassen eingeteilt und die Menge und der Geldwert der Nährstoffe berechnet. Auf Basis von Nährstoffbilanzen und Betriebsmodellierungen wird landesweit und für landwirtschaftliche Einzelbetriebe die Bedeutung des Klärschlammeinsatzes abgeleitet. Abschließend werden die Kosteneffekte unterschiedlicher Entsorgungsvarianten erfasst.
Results:
Ergebnisse. Die Abwasserentsorgung in Schleswig-Holstein weist in Hinblick auf die Anzahl an Kläranlagen eine dezentrale Struktur auf. Unter 10% aller 841 Kläranlagen erzeugen nahezu den gesamt anfallenden Klärschlamm, die restlichen 10% der Gesamtmenge verteilen sich auf eine Vielzahl kleinerer Anlagen vornehmlich im ländlichen Raum. Sofern der Klärschlamm Grenzwerte nicht überschreitet, wird er entwässert von Landwirten als Dünger verwertet. Die Anzahl an Transaktionen ist ein Indikator für den Aufwand.
Discussion:
Diskussion. Um den Aufwand zu reduzieren, bieten Entsorgungsfirmen große Mengen Klärschlamm möglichst wenigen Landwirten an. Aufgrund der eingesetzten Klärtechnik ist die Düngewirkung des Phosphors bei der Hälfte des gesamten Klärschlamms eingeschränkt. Gemessen an der landesweiten Nachfrage nach Phosphordünger, ist das Substitutionspotential gering. Klärschlammnutzende Landwirte können hingegen bis zur Hälfe ihres Düngemittelbedarfs einsparen und höhere Deckungsbeiträge pro Hektar erwirtschaften. Obgleich sich volkswirtschaftlich die Kosten bei einem Wechsel von der landwirtschaftlichen Verwertung hin zur Verbrennung verdoppelten, würden die Abwassergebühren dennoch kaum steigen.
Conclusions:
Schlussfolgerungen. Der Ausstieg würde sich bedeutend bei kleineren Kläranlagen, den Lohnunternehmern und einigen Landwirten auswirken. Kläranlagen müssten in die Entwässerungstechnik investieren, Lohnunternehmer könnten aus dem Entsorgungsmarkt ausscheiden und Landwirten entgeht eine zusätzliche Einkommensquelle. Im Vergleich zu allen Landwirten in Schleswig-Holstein ist dies jedoch eine relativ kleine Gruppe. Da die landwirtschaftliche Verwertung auf Seiten der Behörden mit hohem Aufwand verbunden ist, würde die Konzentration auf wenige Entsorgungspfade, wie im Falle der Verbrennung, zu Entlastungen und geringeren Transaktionskosten führen. Bei einem Teilausstieg nur der großen Kläranlagen sinkt der Aufwand für Behörden jedoch nicht proportional zur wegfallenden Menge Klärschlamm.
Perspectives:
Perspektiven. Gütesicherungssysteme seitens der Klärschlammproduzenten sollen die Akzeptanz der Klärschlammverwertung erhöhen und deren Fortführung sichern. Dennoch verschiebt sich der Entsorgungsmarkt von einer stofflichen hin zur thermischen Entsorgung. Ohne Rückgewinnungsverfahren, auch bei weiteren Stoffgemischen, bleiben bedeutende Phosphorquellen ungenutzt.
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