ScientificJournals.com  

UWSF

Diskussionsbeiträge: Aquatische Toxikologie

Kombinationswirkungen in der aquatischen Toxikologie
L. Horst Grimme; Rolf Altenburger; Wolfgang Bödeker; Michael Faust
Korrespondenzautor: Prof. Dr. L. Horst Grimme, Institut für Zellbiologie, Biochemie und Biotechnologie, Universität Bremen, NW II, Leobener Str., D-28334 Bremen

Zusammenfassung Bestellung von Einzelbeiträgen

Seit mehr als einem Jahrhundert ist die Analyse von Kombinationseffekten Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten in verschiedensten Disziplinen. Inzwischen werden zwei grundlegende Konzepte für gültig gehalten: LOEWE-Additivität (Konzentrations-Additivität) und BLISS-Unabhängigkeit (Greco et al. 1992). In dieser Arbeit werden Ergebnisse eines Forschungsprojektes dargestellt, in dem 137 binäre Kombinationen von Pestiziden und Tensiden in einem Algenbiotest untersucht wurden. Ziel des Vorhabens war es, die Vorhersagbarkeit von Kombinationseffekten zu prüfen und Rationale für eine prospektive Abschätzung von Mischungstoxizitäten in aquatischen Systemen zu entwickeln. Mit Hilfe eines entwickelten "index on prediction quality" wurden die Abstände zwischen beobachteten und erwarteten Kombinationstoxizitäten beurteilt. Als Ergebnis zeigte sich, daß die Mischungstoxizitäten für die meisten Kombinationsversuche durch LOEWE-Additivität gut vorhergesagt werden konnten. Hierdurch bestätigt sich abermals, daß dieses Konzept ein geeignetes Instrument auch für rechtliche Regelungen darstellt. BLISS-Unabhängigkeit führte indes für viele Kombinationen ebenfalls zu guten Vorhersagen. Das Dilemma hinsichtlich der Frage, welches Konzept begründet zur Vorhersage von Mischungstoxizitäten verwendet werden sollte, ist insbesondere bezüglich niedriger Stoffkonzentrationen bedeutsam. Gemäß dem Konzept der BLISS-Unabhängigkeit sind nämlich im Gegensatz zur LOEWE-Additivität keine Kombinationseffekte für Konzentrationen unterhalb einer stoffindividuellen NOEC zu erwarten. Die Frage, ob jeder Wirkstoff unabhängig von seiner Konzentration zur Gesamttoxizität einer Kombination beiträgt, bleibt daher derzeit noch offen.



8 UWSF (3) 150-158 (1996)

Development: Enterprise Technologies